Responsible Investing: ein Baustein eines ethisch-nachhaltigen Investmentfonds

Aktualisiert: vor 6 Stunden



Was bedeutet Responsible Investing überhaupt?


Responsible Investing, auch Social Responsible Investment (SRI) genannt, bezeichnet die Praxis, Geld in Unternehmen und Fonds zu investieren, die eine positive soziale oder ökologische Wirkung erzeugen.[1] Dieser Ansatz wird ergänzend zu klassischen finanzanalytischen Kriterien verwendet, sprich Renditen werden dabei nicht außer Acht gelassen. Seinen Ursprung hat das Responsible Investing in den USA, wo der 1928 gegründete und heute noch existierende Pioneer Fund ein Vorläufer des Konzepts war. Dieser wurde seinerzeit für sittenstrenge Protestanten gegründet und meidet Investitionen in die als unethisch geltenden Branchen Alkohol, Tabak und Glücksspiel.[2] Im Zuge des Vietnamkriegs und der Friedensbewegung wurde 1971 in den USA der Pax World Fund als erster “moderner“ SRI Fonds aufgelegt, der neben Ausschlusskriterien eine Vielfalt von Positivkriterien anwandte. Dabei werden Unternehmen bevorzugt, die gewissen festgelegten Anforderungen hinsichtlich bestimmter ethischer Aspekte besonders gut erfüllen. Nachdem ab den 1980er Jahren Umweltschutz vor allem in Europa zunehmend an Bedeutung gewann, entstanden in Skandinavien und Großbritannien die ersten Umweltfonds, die in der Folge ebenfalls im deutschsprachigen Raum gegründet wurden.


Responsible Investing ‒ omnipräsent und in der Praxis oft schwer durchschaubar



Während das Responsible Investing bis vor kurzem noch ein selten angewandtes Verfahren war, hat sich die Anlagemethode in den vergangenen Jahren stark verbreitet und ist auf dem Weg das neue Mainstream zu werden. Mit Responsible Investing ist in der Regel die Investitionen in börsennotierte Wertpapiere mit Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien gemeint. Hierbei lassen sich durch den Einbezug von so genannten ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) jedoch unterschiedlich strenge Ausschluss und Positivkriterien als Filter für das Anlageuniversum definieren.


Anleger sind daher gut beraten, die Anbieter von Fonds und ihre Prospekte sorgfältig unter die Lupe zu nehmen, um die genauen Philosophien von Fondsmanagern zu ermitteln. So sollte Responsible Investing wenn möglich nicht nur in den angebotenen Finanzprodukten erkennbar, sondern auch in den langfristigen Strategien und Prozessen der Fondsanbieter selbst verankert sein. Wenn dies nicht wahrnehmbar ist, steigt die Gefahr des sogenannten “Greenwashings[1] ”.


Da die SRI-Konzepte des neuen Jahrtausends sich durch eine zunehmende Diversität und Komplexität auszeichnen, ist eine hohe Transparenz der Auswahl- und Unternehmensprozesse der Fondsanbieter unabdingbar. So setzen sie beispielsweise vermehrt Instrumente wie Engagement und die gezielte Ausübung von Aktionärsrechten ein und kombinieren diese mit weiteren Aspekten wie die Best-in-Class[2]-Selektion.



Der Anlageprozess bei Ethius Invest ‒

ein ethisch-nachhaltiger Investmentansatz


Ethius Invest hat einen mehrstufigen Prozess für die Titelauswahl eingeführt. Der Fonds ist am „Global Challenges Index“ angelehnt, der das Thema Nachhaltigkeit konkretisiert und sich auf sieben zukunftsrelevante Handlungsfelder konzentriert. Der Index verlangt strenge und konsequente Leistungskriterien von den gelisteten Unternehmen und identifiziert unternehmerische Vorreiter, welche die Chancen des globalen Wandels nachhaltig nutzen. Seine dreizehnjährige erfolgreiche Wertentwicklung zeigt gleichzeitig auf, dass finanzielle Aspekte ebenso im Vordergrund stehen.[3]


In der ersten Stufe des Anlageprozesses bei Ethius geschieht eine quantitative Bewertung: Durch die Anwendung von Negativkriterien werden sowohl ganze Geschäftsfelder wie die Rüstungsindustrie, als auch Unternehmen mit kontroversen Geschäftspraktiken, wie die Übernutzung von Gewässern oder Korruption, ausgeschlossen. Darüber hinaus schaffen nur Unternehmen den Cut, welche die für die jeweilige Branche individuell gestellten Standards erfüllen. Durch die Anwendung der Ausschlusskriterien und des Best-in-Class-Ansatzes werden aus etwa 6000 Unternehmen rund 450 vorselektiert.


Daraufhin folgt in der zweiten Stufe eine qualitative Bewertung. Dabei wählt ein unabhängiger ExpertInnen-Beirat aus der vorselektierten Fokusliste die 50 Unternehmen aus, die ins Portfolio aufgenommen werden sollen. Zu diesem Zweck finden Positivkriterien in sieben Handlungsfeldern Anwendung, in denen substanzielle Beiträge zur Bewältigung der globalen Herausforderungen geleistet werden. Es handelt sich beispielsweise um den nachhaltigen Umgang mit Wäldern und forstwirtschaftlichen Produkten. In diesem Prozess werden auch die von der UN verabschiedeten 17 Sustainable Development Goals (SDG) in den Auswahlprozess integriert. Es wird also untersucht, inwieweit die Produkte und Dienstleistungen der Unternehmen für die Erreichung dieser Ziele förderlich sind oder diesen widersprechen. Bei der Zusammenstellung des Portfolios wird eine Mischung aus weltweit tätigen Großunternehmen sowie kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die vor allem durch die Produkt- und Dienstleistungspalette ihres Kerngeschäfts einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten, angestrebt.


Ethius Invest setzt jedoch nicht nur darauf, dass Anleger wirkungsorientiert investieren, sondern der Fondsanbieter handelt vielmehr selbst nach seinen eigenen Prinzipien und hat zu diesem Zweck die Ethius Stiftung gegründet. In Form von finanziellen Spenden fliessen 15% der Verwaltungsvergütung des Ethius Global Impact Fonds direkt in die Stiftung, welche Programme und Projekte im Rahmen von sechs Bereichen, einschließlich Trinkwasser, Entwaldung und Klimawandel, mitfinanzieren. Dabei geschieht der Entscheid über die Mittelverwendung auf Antrag eines rein für diesen Zweck konstituierten unabhängigen Stiftungsbeirats.


Wie sich zeigt, ist echtes Responsible Investing ein Bereich, der sich nicht durch die Nennung einschlägiger Schlagworte an aufmerksamkeitswirksamer Stelle bewahrheitet. Es erfordert Commitment sowohl im Auswahlprozess als auch danach, und dies von den Finanzunternehmen selbst, von den Portfoliounternehmen und, nicht zuletzt, von den Investoren. Nur durch das Zusammenspiel von echter Kontrolle, langfristigem Dialog und tiefem Willen, kann die Glaubwürdigkeit der einzelnen Akteure im Responsible Investing geschaffen und aufrechterhalten werden.



Quellen: [1] https://www.investopedia.com/terms/s/sri.asp [2] https://link.springer.com/chapter/10.1007%2F978-3-662-43483-3_67 [3] https://www.boersenag.de/Index/DE000A0MEN25/GCX